Donnerstag, 9. Juni 2011

Wenn der Milchmann ...

Mir ist Marc Beise von der SZ schon häufiger durch seine "liberalen" und "wirtschaftsfreundlichen" Behauptungen aufgefallen. Für gewöhnlich ignoriere ich solch paläoliberales Gewäsch. Allerdings hat die SZ jetzt so eine Art "Mediathek", in der sich Herr Beise offenbar schon länger die Ehre gibt und dessen neuster Erguss mich von der "Frontseite" der SZ förmlich ansprang.

Für sein neustes Agitationsstück (Summa Summarum 55) hatte er sich an einer Privatuni (Fresenius Hochschule, München), in eine Vorlesung über Wirtschaftspolitik gesetzt, "um sich mal auf den neusten Stand zu bringen".

Den Studierenden wurde dort etwas über die "Marktwirtschaft" und die "Zentralverwaltungswirtschaft" (ZVW) beigebracht.

Nun gebe ich zu, dass mensch aus dem Video vielleicht nicht die besten Schlüsse aus der entsprechenden Vorlesung ziehen kann. Aber einem ausgebildeten Ökonomen dürfte es Bauchschmerzen bereiten, wenn der Eindruck entsteht, das die Marktwirtschaft und die ZVW tatsächlich für bare Münze genommen werden; wenn dort der Hinweis auf Idealtypen und Realtypen fehlt.

Im Video meldete sich sogleich Herr Beise zu Wort und meinte, dass sich inhaltlich nicht sonderlich im Vergleich zu seiner Studienzeit geändert hätte. Die Grundprinzipien der Marktwirtshaft in Abgrenzung zur ZVW wären gleich geblieben.

Das darf auch nicht verwundern, denn das, was der Dozent dort vortrug, waren die Merkmale der Idealtypen. Und die werden sich nicht ändern, denn sie stellen eben ein Ideal dar.

Entweder hatte Herr Beise noch nie etwas von dieser Unterscheidung gehört, was nicht sehr für seine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung spräche. Oder aber er hatte es einfach vergessen. Egal, ärgerlicher ist, dass er mit seinem Halbwissen nun ganz munter eine Diskussion über Idealtypen anstieß.

Und wie sollte es anders sein: Er übertrug diese Idealtypen einfach so auf die reale Wirtschaftswelt. Sein Beispiel: Die Energiewende, die von der Politik beschlossen wurde, wobei er natürlich die ganzen "massiven" und unabsehbaren Auswirkungen dieser Entscheidung ganz, ganz besonders betonen musste. Sei solch ein Beschluss nicht zentralverwaltungswirtschaftlich?

Es ist natürlich klar, dass dies ein zentralverwaltungswirtschaftliches Element ist. Aber real erlebbare Wirtschaftsordnungen, die Realtypen, können sowohl Elemente der ZVW besitzen, als auch der Marktwirtschaft. Mit dem Unterton, den Beise hier anschlug, musste fast schon gefürchtet werden, dass jeder noch so kleine Hauch staatlicher Eingriffe eine ZVW unvermeidbar herbeiführt.

Das ist aber absoluter Humbug!

Davon abgesehen befürworteten Liberale wie Adam Smith immer schon staatliche Eingriffe, ohne dass dabei bereits das Gespenst der real existierenden ZVW existierte. Ebenso waren Personen wie Friedrich List und Bruno Hildebrand durchaus Liberale, die klar auch für staatliche Interventionen eintraten, ohne eine sozialistische ZVW einläuten zu wollen.


Selbst die Soziale Marktwirtschaft, basierend auf den Ideen von Alfred Müller-Armack, beinhaltete zentralverwaltungswirtschaftliche Elemente, ohne eine ZVW zu sein.

Gerade mit Blick auf die Soziale Marktwirtschaft ist es auch unangemessen, Freiheit und soziale Gerechtigkeit - die beiden obersten Ziele der Sozialen Marktwirtschaft - gegeneinander auszuspielen. Doch genau das tat Beise, als er am Ende des Videos resümierte, es wäre immer einfach staatliche Interventionen zu fordern, aber besser, sich im Zweifel für die Freiheit zu entscheiden.

Beise outete sich damit klar als Fürsprecher der Marktwirtschaft, nicht als Advokat der Sozialen Marktwirtschaft. Gut, mensch muss die Soziale Marktwirtschaft nicht mögen. Aber ein richtiges Argument hätte ich von ihm schon gerne mal gehört.

Dessen ungeachtet waren die Ausführungen und Statements im Video derartig verkürzt, dass der Eindruck entstand, Wirtschaftspolitik könne auch bei "Britt – Der Talk um eins" gelehrt werden. Dazu passt auch der anbiedernde Hinweis des Dozenten, ganz am Anfang des Videos, dass Beises "Summa Summarum"-Reihe häufig Bestandteil der Vorlesung wäre.

Wer sich aber Beises pseudowirtschaftlichen Schund (z.B. hinsichtlich der Studiengebühren) ansieht, erlebt ein Bildniveau, das einfach nur Bauchschmerzen bereitet. Aber das reicht ja nicht: Der ökonomische Milchmann Beise muss auch noch in Lehrveranstaltungen hofiert werden. Als ob das tatsächlich ein Experte wäre.

Was der aber bietet, sind nur runtergespulte Dogmen: Lehrsätze, die er wohl noch von damals im Hinterstübchen behalten konnte, weil sie nicht zu differenziert und kompliziert waren. Vielleicht sollte er sein "Summa Summarum" demnächst verstärkt vom Katheder zedern. Das Zeug zum Kathederkapitalisten hätte er.




P.S.: Eine immernoch lesenswerte Kritik an Beises ideologischen Blödsinn findet sich in einem Beitrag von Christian Sickendieck (2008) auf Fixmbr: "Marc Beise — der Untergang des kritischen Journalismus am Beispiel eines SZ-Redakteurs".

Mittwoch, 1. Juni 2011

Nebensächliche Erwähnung, schlechtes Wetter, Mugge und Asche

Kürzlich durfte ich feststellen, dass KrAutism in der Leipziger Studierendenzeitung "student!" erwähnt wurde. Unter dem Titel "Bloggen und Bloggen lassen: Ein kurzer Spaziergang durch Leipzigs studentische Online-Tagebücher"* schrieb Martin Peters:

Weiter geht es zu krautism.blogsport.com, ebenfalls ein interessanter Blog eines angehenden Diplom-Volkswirts, der sich mit Politik, Rollenspiel, Leipzig, Musik und anderen Dingen beschäftigt.


Natürlich bin ich für jede Publicity dankbar und möchte dies hiermit auch zum Ausdruck bringen. Mir ist selbstverständlich auch klar, dass der besagte Artikel - zumal in der Dezemberausgabe - womöglich eh ein "Lückenfüller" war. Allerdings hätte ich es prima gefunden, wenn mensch mich dazu mal kontaktiert hätte. Dann hätte ich z.B. ergänzen können, dass ich längst kein "angehender" Volkswirt mehr bin. Smilie by GreenSmilies.com

Aber nun zu einem ganz anderen Thema. Ist eigentlich jemandem aufgefallen, dass das Wetter am heutigen Kindertag reichlich feucht war, obwohl der Kachelmann gestern freigesprochen wurde? Smilie by GreenSmilies.com

O.K., das ist jetzt eine wahnsinnig schlechte Überleitung. Aber zu diesem eher düsteren Regenwetter passt ganz gut schwermütige Musik. Und was könnte da besser sein als eine gute Dosis Crowbar.

Wie dem auch sei, offenbar gaben sich die Herren Windstein & Co. Ende März in Denver / Colorado die Ehre, was auf einem großen Videoportal begutachtet werden kann. Wer genau hinhört wird sich ein Schmunzeln nicht verkneifen können, da Mr. Windstein "Planets Collide" recht zackig einzählte. Smilie by GreenSmilies.com



Und wo ich gerae bei musikalischer Schwermut bin: Asche auf mein Haupt! Am 14. April des letzten Jahres ging ein im sprichwörtlichen Sinne ganz Großer von uns und eigentlich hätte ich genau das angemessen würdigen sollen. Grund genug das nachzuholen und an Pete sowie Type O Negative zu erinnern.



Danke Pete! Smilie by GreenSmilies.com

* Die gesamte Dezember-Ausgabe vom "student!" lässt sich auch als PDF herunterladen. Dort befindet sich der besagte Artikel auf Seite 10.

Die männerfreundliche Frau Ebeling

Vor ein paar Wochen war vom Fall der ehemaligen Gleichstellungsbeauftragen von Goslar, Frau Ebeling, zu lesen. Zunächst eine kurze Auswahl an Beiträgen, deren Titel schon erahnen lassen, um was es konkret ging.

  1. "Frauenbeauftragte angeblich zu männerfreundlich" (Welt)
  2. "Männer werden benachteiligt" ein Interview mit Frau Ebeling (SZ)
  3. "Zuviel Herz für Männer" (Junge Welt)
  4. "Falsche Frau, falscher Platz" (Focus)

Als ein Grund für die Abwahl von Frau Ebeling führten viele Berichte an, dass Frau Ebeling eine Veranstaltung zur "Gewalt gegen Frauen" nicht unterstützen wollte, weil es ja schließlich auch Gewalt gegen Männer gebe.

Das Problem ist nur, dass die Medien - allen voran die großen Tageszeitungen - kaum bis gar nicht näher auf die besagte Verstanstaltung eingingen. Wer etwas zeitlichen Aufwand in Kauf nahm, konnte recherchieren, dass mit der Veranstaltung wohl die Ausstellung "Gegen Gewalt in Paarbeziehungen" des LKA Niedersachsens gemeint war. Auf der entsprechenden Seite ist auch eine Broschüre bzw. ein Begleitheft herunterzuladen (oben rechts).

Schon angesichts des Titels müsste sich die kritische Leser(innen)schaft die Augen reiben, denn aus dem Titel "Gegen Gewalt in Paarbeziehungen" ist noch gar nicht ersichtlich, dass dort allein Gewalt gegen Frauen thematisiert werden sollte.

Beim Sichten der oben erwähnten Lektüre stellt sich natürlich heraus, dass der Fokus der Ausstellung auf der männlichen Gewalt liegt. Wer aber mal etwas genauer hineinschaut, kommt an der Vermutung nicht vorbei, dass diese vermeintliche Einseitigkeit der Statistik geschuldet ist. Frauen sind laut Statistik nun einmal die größte Opfergruppe.

Dessen ungeachtet steht der vermeintlichen Einseitigkeit entgegen, dass im erwähnten Begleitheft auch Gewalt gegen Männer angespochen wird, sogar mit ausdrücklichen Verweis auf eine Studie aus dem Bundesfamilienministerium! Zudem gibt es noch einen Abschnitt über Gewalt gegen andere Opfergruppen.

Frau Ebeling mag an dieser Broschüre eine nicht ge-genderte Sprache monieren, aber Aussagen wie diese hier ...

Das ist ein wichtiges Thema, aber das Handbuch zur Ausstellung fand ich den Grundsätzen der Gleichberechtigung nicht entsprechend. [...] Der Täter ist immer der Mann, das Opfer immer die Frau. Das fand ich nicht zeitgemäß. Es gibt auch männliche Opfer häuslicher Gewalt.

(Quelle: SZ)


sind angesichts der Broschüre des LKA schlicht überzogen.

Gut, im Begleitheft mag mensch vielleicht etwas zu zögerlich mit dem Thema "Gewalt gegen Männer" umgegangen sein. Aber aus meiner Sicht lag trotzdem der spürbare Versuch vor, das Thema Gewalt gegen Männer nicht auszuklammern. Mehr noch: Im Gegensatz zu Frau Ebeling, die bei häuslicher Gewalt offenbar nur an Gewalt gegen Männer/Frauen denkt, finden sich dort Hinweise auf andere Opfergruppen häuslicher Gewalt.

Freilich, wie die Veranstaltung dann tatsächlich ausgesehen hätte, lässt sich aus den oben verlinkten Angaben des LKA Niedersachsen nicht ersehen. Aber ich denke, selbst wenn mensch es etwas einseitig empfunden hätte, wären immer noch genügend Anknüpfungspunkte gegeben gewesen, um in der konkreten Ausstellung in Goslar bestimmte Inhalte zu akzentuieren. Das Infomaterial, das das LKA bereitstellte, bietet ausreichend Möglichkeiten.

Insofern scheinen mir die Argumente von Frau Ebeling auf der Unkenntnis der tatsächlichen Infomaterialien und/oder auf Basis eigener ideologischer Verbortheit zu basieren und deshalb nur vorgeschoben zu sein.

Für die Presse ist es übrigens ein Armutszeugnis, was über den Fall für spekulativer Müll geschrieben wurde. Die Info zum LKA als Veranstalter habe ich neben dem Hinweis aus einem Forum nur einem FAZ-Artikel entnehmen können, der bei der FAZ aber nicht mehr gelistet war (aber auf anderen Seiten, die ich nicht verlinken möchte, zitiert wurde). Auch der genaue Titel der Veranstaltung war aus den Medien nicht herauszubekommen.

Ein wenig mehr Recherche hätte dem Ganzen daher gut getan. Das gilt insbesondere im Hinblick darauf, dass die konkreten Infos zum Inhalt beim LKA Niedersachsen ohne große Probleme zu beziehen waren. Das Interview in der SZ hätte dann sicher auch kritischer verlaufen können: Zum Beispiel hätte mensch fragen dürfen, wie diese Diskrepanzen in der Sichtweise von Ebeling und den Infos des LKA zu Stande kamen.

Nun ist mir heute der Artikel "Entlassene Gleichstellungsbeauftragte " (SZ) in die Hände gefallen, wo noch einmal nachgelegt wurde.

Dabei will ich zunächst gerne eingestehen, mir sehr gut vorstellen zu können, dass bestimmte "Kreise" womöglich gereizt reagieren, wenn jemand auf die Gewalt gegen Jungen/Männer aufmerksam macht. Machen wir uns nichts vor: Das Thema ist in ein politisches Umfeld eingebettet, in dem ideologische Bornhiertheiten zu erwarten sind.

Aber das Bild, das die Süddeutsche im eben erwähnten Artikel von jenen zeichnete, die mutmaßlich für die Abwahl von und das negative Klima gegen Frau Ebeling verantwortlich sind, ist schlicht und ergreifend tendenziös! Das betrifft die Bürgermeisterin Luksch, von der es heißt, sie wäre nur per SPD-Ticket ins Amt gekommen; natürlich durfte nicht unerwähnt bleiben, was sie für ein Auto fährt; auch die Grüne Ratsfrau Juranek kommt nicht sonderlich gut weg; ebenfalls die Vorsitzende des Frauenhaus-Vereins Goslar.

Während sich der Knatsch um Frau Ebeling einst u.a. um die oben erwähnte Veranstaltung rankte, wird er in dem aktuellen Artikel auf einen Dissens bezüglich einer Brötchentüte mit der Aufschrift "Gewalt gegen Kinder und Frauen kommt nicht in die Tüte" reduziert. Ebeling wäre dagegen gewesen, weil es ja auch Gewalt gegen Männer gebe. Im zweiten Teil des Artikel wird Frau Ebeling deshalb zur Kritikerin eines ideologischen Feminismus gekürt. Damit ist die Katze aus dem Sack: Gegen einen vermeintlich ideologischen Feminismus - vertreten durch die oben erwähnten Gegnerinnen - sollte es gehen. Frau Ebeling quasi als Opfer einer ideologischen Feminismusverschwörung?

Der rhetorische Kniff ist, dass diese Verschwörungstheorie in den Artikeln selten direkt angesprochen wurde. Wer zwischen den Zeilen las, konnte aber genau das herauslesen. Genau das war O-Ton der meisten Artikeln, die ich zu diesem Fall gelesen habe.

Aus meiner Sicht waren die Artikel aber häufig genug eine grobe Verkürzung, tendenziös und extrem (!) schlecht recherchiert.

Ich rechne es den sogenannten Journalist(innen) außerdem als wirklich miese Leistung an, dass sie in ihren Artikeln so taten, als ob sich das Genderthema allein auf die Frauenfrage reduzieren lasse.

Denn "Gleichstellung", das betrifft eine Reihe von Menschengruppen: Menschengruppen, die in unserer Gesellschaft aus welchen Gründen auch immer benachteiligt werden. Dazu gehören u.a. auch Alte oder körperlich und geistig Benachteiligte. Ebenso ist dort spürbar das Thema der gleichgeschlechtlichen Lebensweisen angesiedelt. Das wird wohl auch der Grund dafür sein, weshalb z.B. das entsprechende Referat des Studierendenrats der Uni Leipzig thematisch entsprechend breit aufgestellt ist.

Es wäre schön gewesen, wenn die Medien, die sich aktuell in dem Fall Ebeling so groß hervortun, genau diese Themen- und Problemvielfalt, die mit der "Gleichstellung" verbunden ist, angesprochen hätten. Kritisch hätte mensch Frau Ebeling ihr recht beschränktes Verständnis der Gleichstellungsarbeit vorhalten können. Dass dies alles nicht geschah, zeigt einmal mehr, wie viel Engagement in diesem Gebiet noch notwendig ist.

Arbo zum Kachelmann

Gestern wurde Kachelmann freigesprochen. Nun gut, über diese Chose will ich eigentlich keine großen Worte verlieren. Außer: Es geht mir mächtig auf den Docht, das vor allem die öffentlich rechtlichen Medien seit Montag offenbar nicht ohne eine groß angelegte Kommentierung dieses Gerichtsprozesses auskommen.

Bereits am Sonntag, den 22.05.2011, kam das Thema bei Anne Will zur Sprache, wobei dort der Aufhänger die Affaire um Strauss-Kahn war, es der Natur der Sache nach aber nicht aus blieb, über die Causa Kachelmann zu orakeln. Eine Woche und einen Tag später setzte der von mir ansonsten sehr geschätzte Herr Leif (2+Leif, SWR) das Thema auf die Agenda. Dienstag, am Tag des Urteils, Maischberger; auch der Lanz vom ZDF durfte nicht fehlen. Tja und heute, Mittwoch, geht's weiter mit "Hart aber Fair" (ARD).

Was mir bei der ganzen Kommentierung bitter aufstößte, sind insbesondere die angestaubten Rollen- und Geschlechterbilder, die da transportiert werden. Nein, ich will damit nicht die "Männerrechts"-Schiene fahren, auf der ohnehin recht obskure Persönchen ihr noch obskureres Verschwörungssüppchen kochen.

(Näheres zu Letzterem u.a. in Dr. Thomas Gesterkamps Expertise "Geschlechterkampf von rechts" von der Friedrich-Eber-Stiftung (PDF). Kurz angesprochen wird dieses Thema auch in einem Interview mit Gesterkamp in der Zeitschrift "Die Demokratische Schule" der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft vom Februar 2011 (PDF).)

Um was es mir geht, ist, dass da mehr oder minder blind eine ganz bestimmte Partnerschaftskonstruktion propagiert wird. Dass es auch zu Gewalt von Männern gegen Männer, Frauen gegen Frauen usw. kommen kann, war und ist kaum Thema. Wie sollen vor allem Männer aus gleichgeschlechtlichen Partnerschaften damit klar kommen, wenn, wie bei Maischberger ganz stolz vorgestellt, ein Sonderdezernat der Staatsanwaltschaft "Gewalt gegen Frauen" heißt und dort auch nur Frauen angestellt sind? Von Frauen aus gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mal ganz zu schweigen. Und was soll das überhaupt heißen? Dass Männer keine misshandelten Frauen beraten dürfen sollen (und umgekehrt)? Warum?

Mir ist natürlich klar, dass diese Problematik sehr komplex ist. Ohne Experte zu sein, kann ich mir gut vorstellen, dass es vielleicht nicht die beste Idee ist, eine von einem Mann misshandelte Frau von einem Mann untersuchen/befragen zu lassen.

Mir ist ebenso klar, dass gerade in einem Quasi-Familienbereich, wie es die gängige Stereotype der eheähnlichen Partnerschaft nahe legt, Gewaltdelikte eine besondere Problematik aufweisen.

Aber machen wir uns mal nichts vor: Andere Lebensstile und Beziehungsformen werden innerhalb unserer Gesellschaft immer noch bisweilen negativ abgewertet, so dass ich meine berechtigten Zweifel habe, ob die in den Talkshows häufig zur Schau gestellte Einseitigkeit a) diese negativen Abwertungen verringert und b) den Betroffenen aus diesen abgewerteten Bereichen bei Problemen wirklich hilft.

Mir wäre es deshalb deutlich lieber, wenn die u.a. bei Maischberger so stolz vorgestellten Sonderdezernate derartig breit aufgestellt und ausgebildet sind, dass sie möglichst viele der Gewaltdelikte angemessen behandeln können. Dazu gehört für mich die Gewalt im heterosexuellen Haushalt ebenso wie die Misshandlung unter Gleichgeschlechtlichen (ob in Partnerschaft oder nicht!) oder die Misshandlung von alten Menschen.

Donnerstag, 7. April 2011

Arbo is back again

Der Umstand, dass es in den letzten Wochen recht ruhig war, ist meinem Urlaub geschuldet. Dieser umfasste Teile Argentiniens und Chiles. Erste Impressionen gibt's nachfolgend.



Kleine Infos für Vegetarier

Ja, offensichtlich ist ein Leben ohne Fleisch auch in Südamerika möglich. Dank Empanadas, Humitas und einer ziemlich ausgeprägten Pizzakultur. Allerdings machen sie dort viel - nein: ziemlich viel - Käse auf die Pizza.

Zu beachten gibt's auch den Empanada-Unterschied zwischen Chile und Argentinien, der mich dazu veranlasst, die Argentinischen Empanadas eher "Empanitos" zu nennen. In Chile sind diese nämlich um ein Vielfaches größer und mit einer Pizza Calzone zu vergleichen.

Aber egal: Mensch muss nur auf die Füllung der Empanadas achten. Die Fleischfüllung ist zwar weit verbreitet, aber "Queso" und "Verdura" (Gemüse) dürfte es auch überall geben. Im Zweifel aber lieber nachfragen. Die beste Auswahl, die ich während meiner Reise erlebt habe, gab's übrigens in El Cafayate: Etwa 12 Sorten, darunter zahlreiche vegetarische Füllungen.

Für strenge Vegetarier(innen) ist es natürlich auch möglich, sich durch Argentinien/Chile zu schlagen. Allerdings sind da die eigenen Kochkünste gefragt. Leider gibt's auch nicht so viele Märkte mit Frischobst bzw. sieht Letzteres häufig ein wenig - nunja - welk aus. Supermärkte, in denen Grundnahrungsmittel zu kaufen sind, gibt's aber in jeder größeren Stadt. Insgesamt war mein Eindruck, dass es dort nicht unmöglich ist, sich streng vegetarisch zu ernähren, mensch dafür jedoch ein wenig Aufwand und ein paar Abstriche in den kulinarischen Ansprüchen hinnehmen muss.

Mein Urlaubsfazit
Wo möglich, bitte einen Bogen um Aerolineas Argentinas (Flugline) machen. Torres del Paine (Patagonien, Chile) ist maßlos überbewertet und überteuert. Moderne Wegelagerei wird dort in Form vom "Refugios" betrieben. Smilie by GreenSmilies.com

Meiner Meinung nach bietet vor allem der Trail um Fitz Roy in El Chalten wesentlich mehr.

Ein Bogen sollte auch um das "Routa 40 Hostel" in Cafayate gemacht werden: Undurchsichtige Preise und zum Teil nicht wirklich auskunftsfähiges Personal, das außerdem auch noch nur Spanisch spricht (etwas dürftig für ein Hostel, das beim "hostelling international" mitmacht).

Allerdings gehört Cafayate für mich zu den großen Highlights in Argentinien. Für Weingourmets sicherlich nicht schlecht, aber auch für Leute, die einfach mal ausspannen wollen. Dazu gibt's dort in der Gegend recht viel zu sehen. Und wie oben erwähnt: Die Empanadas (der Laden, ein Stück weit die Straße vom Plaza hinein) ... ein Traum!

Bevor jetzt noch jemand fragt. Ja, Buenos Aires hat auch seinen Reiz. Wer das arabische Restaurant "Habibi" (Nähe San Telmo) meidet, wird eine Entäuschung weniger erleben. Tangoshows habe ich mir nicht angesehen, dafür gab's im Stadtteil San Telmo offenen "Straßen-Tango". Das hat mir wesentlich besser gefallen. Unsonsten würde ich für jeden Kurzbesuch einen Auftenhalt in San Telmo empfehlen. Vor allem am Wochenende. Das Flair ist einfach unglaublich.

La Boca, die Ecke mit den bunten Häusern, ist auch nett anzuschauen. Da allerdings jeder Mensch in Buenos Aires vor der Gegend drumherum warnt, ist das schwer zu erreichen. Es bleiben nur Taxi oder Bus. Letzteres ist wiederum problematisch, weil die nur Münzen nehmen und die Automaten in den Bussen gerne mal ein paar Münzen verschlucken. Wer also nicht unbedingt La Boca sehen muss, kann ruhig auf den zeitlichen und nervlichen Aufwand, der bei der Jagd auf Münzgeld betrieben wird, verzichten. Wer dennoch Münzgeld braucht, sollte die Macro-Kioske abklappern und dort mit 2-Pesos-Scheinen Bonbons (für 25 Centinos o.ä.) kaufen.

Nochwas? Hm, ja, in El Calafate gibt's ein richtig gutes Hostel: America del Sur Hostel. Die zwacken sich zwar ein paar Pesos für ihren Service ab, doch der Service an sich ist tadellos und das Barbecue bietet auch für Vegetarier(innen) eine willkommene Abwechslung. Bequem lassen sich von dort aus Touren buchen; auch Touren nach Torres del Paine (Chile).

Zum insgesamten Eindruck: Ja, Argentinien macht Spaß. Es ist verdammt unterschiedlich - von Land und Leuten. Aber es ist auch sehr teuer. Wer nach Argentinien reisen will, sollte sich vorher genau überlegen, was er oder sie unbedingt sehen will und entsprechende Zeitpuffer (wg. Flugzeugausfällen usw.) einplanen. Die Pinguine (Ushuaia), Fitz Roy, Perito Moreno und Cafayate würden m.E. die Reise rechtfertigen.