Samstag, 20. Januar 2018

Das Narrenschiff (†)

Es fällt schwer, den ersten Blogeintrag im neuen Jahr gleich mit einer traurigen Nachricht zu beginnen. Eben habe ich über einen Kommentar vom ‚altautonomen‘ erfahren müssen, dass die Brücke vom Narrenschiff nun ohne ihren Käpt’n Charlie bleiben wird. Es ist eine eigenartige Vorstellung, dass das kleine Narrenschiff, das sonst so trotzig in den Fluten tanzte, nun vor Anker liegt. Ich werde mich daran gewöhnen müssen.

Charlie habe ich nie persönlich kennengelernt. Wir hatten nur über unsere beiden Blogs kommuniziert. Dabei war mir das Narrenschiff schon länger aufgefallen. Zugegebenermaßen fand ich Charlies Tonfall aber zum Teil entsetzlich widerwärtig und vulgär. Aber gut, ein Entermesser passt besser zu einem Käpt’n als ein Florett. Und ein Entermesser, das haut grobe Stücke. Trotzdem schlug Charlie immer an der richtigen Stelle tiefe Wunden – und zwar unerbittlich. Kein Schlipsborg, keine korrupte Bande, kein Menschfeind usw. war vor seinen verbalen Schlägen sicher. Unverdient waren diese Schläge nicht. Auch in seiner Kritik an anderen Bloggern kannte er keinen verbalen Feinschliff. Und trotzdem, seine Einwürfe und Blogbeiträge hatten etwas. Daher schaute ich immer mal wieder auf dem Narrenschiff vorbei.

Irgendwann ist er dann wohl über einen Kommentar auf mich aufmerksam geworden. Das war vor noch nicht einmal einem Jahr, am 30.01.2017. Da fragte er mich, ob er meinen Beitrag über die ‚Die missverständlichen Kapazitätsgrenzen von Frau W.‘ übernehmen dürfe. Geschmeichelt fühlte ich mich, als er u.a. mich im Juni 2017 für den ‚Underdog 2017‘ vorschlug.

Was seine politischen bzw. gesellschaftskritischen Blogbeiträge für mich besonders machten, waren die Grafiken vom Simplicissimus. Durch Charlie habe ich diese satirischen Grafiken erst so richtig zu schätzen gelernt.

Neben seinen politischen Blogbeiträgen mochte ich aber auch seine Spiele-Reviews und seine Musik-Hinweise sehr. Auch hier gab es eine Menge zu entdecken.

Ich verabschiede mich nun von Charlie mit einem Song, den er im letzten Januar einmal herausgekramt hatte und der textlich ziemlich gut zu dem Kurs passt, mit dem er sein Narrenschiff durch die Fluten zu führen wusste. RIP.


Nachtrag (21.01.2018): Stefan Rose von 'fliegende-bretter.de' hat einen Nachruf geschrieben.

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Nüchtern betrachtet, fischt Frau W. wieder…


Über „Aufgelesen-und-kommentiert“ bin ich gerade wieder auf eine Aussage von Frau W. gestoßen (via internetz-zeitung.eu). Eigentlich steht dort nichts Neues. Aber weil kurz nach der Bundestagswahl 2017 verschiedentlich die Auseinandersetzungen zwischen Riexinger/Kipping und Wagenknecht/Bartsch Thema waren und genau dabei auch das Thema ‚Asyl‘ wieder im Raum stand, will ich mir dann doch noch einmal ein paar Einlassungen erlauben.

Samstag, 30. September 2017

Kleine Presseschau [30.09.2017]: Osten, Sachsen & ‚links?‘


Da angesichts der Ergebnisse der Bundestagswahl viel über das Wahlverhalten im Osten spekuliert wird, möchte ich dann doch mal noch auf ein paar Artikel verweisen, die mir in dem Zusammenhang über den Weg gelaufen sind.



Daniela Dahn über Flüchtlinge & kapitalistische Fluchtursachen

Nach der Bundestagswahl gäbe es viel zu diskutieren, insbesondere mit Blick auf die AfD. Offen gestanden ist mir das aber fast schon zu viel, weil ich dann mit dem Wischmopp zwischen berechtigen Argumenten und wohlfeil gepflegten Stereotypen über ‚Ossis‘ aufräumen müsste. Das ist mir im Moment etwas viel. Vielleicht kommt später noch etwas.

Was ich jedenfalls nicht vorenthalten möchte, ist ein Interview von KFM mit Daniela Dahn (Youtube).
 
Es gibt zwei Dinge, die ich hier richtig super finde. Einmal, dass sie zwar nicht immer ganz fest im Stoff zu stecken scheint, aber ganz klar die ökonomischen System-Zusammenhänge kennt, benennt und daraus entsprechende Verantwortung unsererseits gegenüber den Flüchtenden, die nach Europa kommen, ableitet. Zweitens ist es eine Wonne, wie sie KFM dezidiert immer mal wieder widerspricht und zwar in Punkten, in denen KFM die Rechtsblinke-Parolen von Lafo & Frau W. auftischt. Stellt auch mal Rückfragen, um zu präzisieren. Daniela Dahn stammt aus der DDR, war dort in der Opposition, im „Demokratischen Aufbruch“ aktiv und Mitherausgeberin des Freitags. Ich bin noch nicht ganz durch, aber alles in allem lohnenswert, dort einmal hineinzuhören.

Mittwoch, 23. August 2017

Presseschau (23.08.2017): Gefährder, Rechte, Wirtschaftswissenschaften und mehr

Die Zeit titelte gestern „Abschiebung islamistischer Gefährder rechtmäßig“. Um was ging’s? Zwei Personen (27 und 21 Jahre), die in Deutschland geboren wurden und aufwuchsen, aber keinen deutschen Pass (keine deutsche Staatsangehörigkeit?) besaßen, wurden als ‚islamistische Gefährder‘ eingestuft und sollen in – Achtung: Zynismus pur – die ‚Heimatländer‘ abgeschoben werden. Dagegen wurde geklagt, das Bundesverwaltungsgericht hat das abgelehnt. Die Personen müssen bzw. dürfen abgeschoben werden.