Die Deftones haben ein neues Album draussen: Gore. Ja, das klingt schon nach Deftones. Ja, da sind auch Sachen bei, wo die Gitarre einen schönen fetten Klangteppich produziert (z. B. Xenon). Die Refrains gehen gröstenteils auch in Ordnung. Aber irgendwie werde ich Moment noch nicht ganz warm. Vielleicht muss ich mir das Album einfach noch ein paar Mal anhören. Was ich aber definitiv nicht so dolle finde - was aber auch schon beim Vorgängeralbum der Fall war - sind ein paar Songs, in denen die Gitarre richtig künstlich klingt. Runterstimmen, ja, finde ich OK - aber bei "Doomed User" klingt die Gitarre bei manchen Riffs wie Plastesuppe ...
Dann gab's noch eine Neuentdeckung. Nächste Woche spielen ja Kasan in Wien und zwar mit Jakob, einer Band aus New Zealand.
Was soll ich sagen: Es gefällt mir SEHR. Wer auf instrumentellen Post-Rock steht, sollte sich das mal anhören. Und wem's auch so dolle gefällt, der oder die sollte ruhig mal beim Bandcamp-Account vorbeischauen und eines der Alben von ihnen kaufen. Freut sie sicherlich ... und lohnt sich. Dank Bandcamp muss die Katze auch nicht im Sack gekauft werden.
So, nun ist der erste Monat im neuen Jahr auch schon fast
herum, und schon ich muss gleich mal noch zwei Dinge aus dem letzten Jahr
nachtragen.
Punkt 1: Baroness
Vor etwas mehr als sechs Jahren (2010) war ich wieder in
Paris und wollte zum Konzert ins „La Maroquinerie“: Es spielten Baroness. Leider war es wieder einer
dieser Winter, in dem die ICEs mit der Kälte nicht klar kamen und so kam ich
sehr spät in Paris an. Ich konnte nur ein paar letzte Songs von Baroness
erwischen. Nun ja. Seitdem habe ich sie aus dem Blick verloren. Doch vor
wenigen Wochen wurde ich auf ihr neues Album „Purple“ aufmerksam. Was soll ich
sagen, „Shock Me“ finde ich super und „Chlorine & Wine“ hat mir sofort einen
Ohrwurm verschafft.
Im Grunde ist es überflüssig, zu erwähnen, dass „Purple“
u. a. auch bei Laut.de,
Metal Hammer
und RockHard
ziemlich gut wegkommt. Insofern also eine klare Kaufempfehlung!
Punkt 2: Paradise Lost
Eigentlich hatte ich Paradise Lost schon längst abgeschrieben:
ich bin mit „Icon“ und „Draconian Times“ groß geworden. „One Second“ fand ich
irgendwie noch cool, aber das war m. E. schon weit weg von den vorherigen
Alben. Jedenfalls hat mich dann nichts mehr wirklich begeistert. Den Rest hat
mir ihr Auftritt auf dem Bizarre-Festival 1997 gegeben. Nun ja, gute Gründe,
die Band in der Vergessenheit zu belassen. Aber nun schaut und hört Euch mal
folgenden Song an:
Meine erste Reaktion: WOW.
Zweite Reaktion: Nochmal schauen, ob das wirklich
Paradise Lost sind und dies nicht eine Kooperation mit einer anderen Band oder
so.
Ja, das ist wirklich Paradise Lost. Meine Güte ist das
FETT. So herrlich langsam, da könnten selbst Crowbar neidisch werden. Einfach
genial, wie sich das so vor sich hin schiebt. Ich find’s klasse!
Also habe ich in die neue Scheibe „The
Plague Within“ reingehört, diese für überraschend gut befunden, gekauft
und seitdem läuft sie schon auffällig oft – allerdings zu Lasten des oben
erwähnten Albums von Baroness. Insofern auch eine Kaufempfehlung für alle, die
mal wieder Paradise Lost in guter Form erleben wollen.
Gleich vorweg zum Vorprogramm: Rokkitähti aus fand
ich jetzt nicht so toll, Flesh
Roxon waren dagegen irgendwie lustig. Damit zurück zu Therapy?, wegen denen
ich ja auch dort war. Ich hatte kürzlich über deren neues Album „Disquiet“
berichtet. Grund genug, sie mal wieder live zu erleben. Und ja, es hat sich
gelohnt. Es macht Andy Cairns und Michael McKeegan – den beiden „Urgesteinen“
der Band – offenbar viel Spaß, den mensch auch im Publikum spürt. Etwas schal
ist der Nachgeschmack insofern, als sie faktisch das gesamte Troublegum-Album
spielten. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Für mich ist und bleibt es ein
Meilenstein in der Musikgeschichte – es gibt selten Alben, auf denen jeder Song
ein Hit ist. Das bestätigte letztlich auch das Publikum, das jeden Refrain
mitsingen konnte. Nur ist es schon eigenartig, wenn da eine Band ein neues
Album rausbringt, auf Tour geht, aber überwiegend das Zeug von ihrem Hit-Album
spielt. Vor allem deshalb, weil „Disquiet“ seit langem mal wieder ein Album
ist, bei dem einfach vieles stimmt, das vorher nicht (mehr) stimmte. Das
beweisen auch die Songs von dem Album, die dann live gespielt wurden: die waren
allesamt wirklich fett, einfach genial – und haben auch das Publikum animiert.
Trotz meiner Kritik muss ich auch gestehen, dass die
Mischung auf dem Konzert funktionierte. Die neuen Songs waren gut zwischen den
Hits eingebettet. Einzig „Diane“
wirkte etwas apart, weil praktisch zur Konserve. Aber damit stehe ich sicher
alleine da, weil das Publikum auch diesen Song begeistert mitsang.
Wer also die Chance hat, Therapy? der Tage live zu
erleben, der oder die sollte das tun.
Im letzten Beitrag dieses Jahres möchte ich mir noch
einen Kino-Tipp erlauben. Ohne große Worte zu verlieren: Gestern war ich in Mr. Holmes mit Ian McKellen
(der Gandalf aus „Lords of he Rings“).
Der Trailer vermittelt mit seiner Pathos-Musik leider
einen etwas falschen Eindruck. Der Film ist anders – und anders als erwartet. Er
ist melancholisch und anrührend. Er ist verdammt gut gespielt. Für mich ist er
einer der besten Filme über das Altwerden, Tod und Senilität. Nicht kitschig,
nicht theatralisch, nicht albern. Einfach empfehlenswert!
So kurz vor Schluss des Jahres möchte ich mir noch einen
kleinen musikalischen Rückblick erlauben.
Aus aktuellen Gründen sei nochmal Lemmy gewürdigt, der am
28.12.2015 starb (Tagesschau.de).
Ich war zwar kein Hardcore-Fan von Motörhead, habe die Band aber auch nie
wirklich unangenehm empfunden und die Musik auch gerne gehört. Während in
Gedenken an Lemmy viele „Ace of Spades“ erwähnen, möchte ich einen andere Favorit
nennen: „1916“ – ja, das
ist eine Ballade, steinigt mich dafür. Aber ich finde es die mit Abstand beste
Ballade, die ich kenne, gerade auch wegen Lemmy’s Stimme. Zur Erinnerung dazu auch
noch ein schönes trashiges Interview mit Lemmy vo 2004 in der SZ: 100 Fragen an ... Lemmy Kilmister (SZ).
Am dritten Dezember ist noch jemand von uns gegangen:
Scott Weiland (Nachrichten.at;
laut.de).
Als Sänger der Stone
Temple Pilots hat er mich einen nicht unwesentlichen Teil meiner Jugend
begleitet. „Plush“ war das Ding, mit
dem mich die Stone Temple Pilots hatten. OK, werden viele sagen, die schwammen
damals doch nur auf der Grunge-Welle. Und? Ich fand’s trotzdem irgendwie cool.
Weiland hatte aber leider immer wieder Drogenprobleme. Am 3.12.2015 wurde er
tot im Tourbus gefunden.
Es gab diese Jahr aber auch ein paar neue Alben von
Bands, von denen ich in den letzten Jahren kein Album mehr kaufte oder kaufen
konnte.
Da wäre zunächst Faith No More. Meine
Güte, was habe ich mich auf „Sol Invictus“
gefreut. Live scheinen die Jungs auch irgendwie richtig Spaß zu haben. Aber
ehrlich, so richtig warm bin ich mit Sol Invictus nicht geworden. Irgendwie ist
das eher eine Enttäuschung. So richtig fett ist auf dem Album nichts und die
ruhigen Songs nehmen mich auch irgendwie nicht mit. Aber gut, vielleicht kommt
das irgendwann noch einmal …
Positiv überrascht war ich von „Disquiet“ von Therapy? Das Problem
bei Therapy? ist, dass die Messlatte mit „Troublegum“ verdammt hoch liegt. Der
Grund, warum ich sie bisher aus den Augen verlor, war schlicht, dass mich ihre
Songs nicht mehr so begeistert haben. Irgendwie jagte da ein Griff in die
Kloschüssel den nächsten. Dabei ist es nicht so, dass ich der Meinung wäre, die
hätten nur Mist verzapft. „Semi-Detached“ fand ich z. B. auch toll. Aber danach
… OK, also nach einer langen Strecke, auf der ich mir Therapy? irgendwie
abgewöhnt zu haben schien, stolperte ich durch Zufall über die News zu ihrem
neuen Album. Und ohne große Erwartungen zu haben, hörte ich rein und war wie
von den Socken: Es kommt verdammt nah an die Stimmung von „Troublegum“, Andy
und Michael macht es offenbar mächtig Spaß. Und meine Fresse, es klingt auch
irgendwie ziemlich heavy. „Deathstimate“
hat sich bei mir zu einem regelrechten Ohrwurm entwickelt, ist aber ein
vergleichsweiser langsamer Song vom Album – der stimmungsmäßig nicht ganz so „Troublegum“
ist, aber trotzdem rockt. Also alles in Allem eine der positiven Überraschungen
dieses Jahr: Es ist ein ordentliches Album, das stellenweise wirklich richtig
Spaß macht!
Skindred haben
mit „Volume“ auch
wieder ein neues Album rausgehauen. Es hat typisch fette Riffs, ist auch kein
Ausfall, da ist erwartungsgemäß schon eine gehörige Portion Skindred drin und
das ist schon cool, aber irgendwie hat es mich nicht wirklich hinter dem Ofen hervorgelockt. Im
Vergleich: Kill
the Power fand ich besser.
Die Neuentdeckung des Jahrs war für mich Collapse.Rebuild mit
ihrem Album „Fail Again, Fail Better“ (bandcamp). Sie sind aus Milano,
Italien. Die Musik ist instrumental, ruhig und hat mich richtig begeistert.
Lässt sich auf Bandcamp anhören und als MP3 kaufen. Kann ich nur empfehlen.
Wenn’s Euch gefällt, einfach die paar Euros (bzw. 4.50 $) ausgeben, die Songs
kaufen und die Band unterstützen. Ist wirklich klasse!!!
„Soulfly“ … was
soll ich dazu sagen. Ich war Fan der ersten Stunde, habe mich seit der „Planet-Max“-Tour-Zeit
davon verabschiedet. Warum? Weil Soulfly für mich die konsequente Weiterführung
der Tribal-Groove-Geschichte von Sepulturas „Roots“ war, das musikalisch aber
zunehmend abnahm. Das war für mich einfach nicht mehr interessant. (Interessanterweise
fand‘ und finde ich Sepultura heute auch irgendwie cooler und die Besetzung
erstklassig. Derrick
Green ist einfach eine Top-Besetzung! Übrigens, wer mal Spaß haben will,
sollte sich mal ihren Auftritt in
Rio 2015 mit Steve Vai anschauen.)
Aber gut, ich weiß nicht, was mich
geritten hat – vielleicht ein Mix aus Wehmut und Mitleid mit dem ollen SeplMaxe
–, auf jeden Fall habe ich mir dann mal „Archangel“ von
2015 angehört. Und da war ich erstmal von den Socken, weil „Archangel“ und „Sodomites“
fett mit gesenktem Tempo durch die Kopfhörer rollten. Das war mal wieder
richtig cool. Ich habe mir das Album also geholt – und offen gestanden bin ich dann
doch enttäuscht worden. Nach „Sodomites“ fing es zunehmend an, wieder ins Rumgeballere
abzudriften. Wem’s gefällt, bitte. Aber mir ist das irgendwie dann doch zu
langweilig. Mehr Ruhe, mehr fetter Groove usw. – das hätte ich besser gefunden.
Also insofern kein Totalausfall, aber nachdem es mit den ersten beiden Songs
ganz gut anfing, entwickelte es sich leider mal wieder zur Enttäuschung.
Dann gab’s noch eine paar Jugendhelden von mir, die ein
neues Album rausgebracht haben: Fear
Factory mit „Genexus“.
Dar war’s schon der Opener „Autonomous Combat System“, der mich episch in die
1990er zurückholte. Fette Stakkato-Riffs, Groove und Industrial. Dann auch der
Refrain von „Anodized“, klasse. Das „You never take my soul“ in „Soul Hacker“. Und dann
auch „Regenerate“, einfach eine Hymne. Meine Favoriten finden sich eher am Ende
des Albums: „Regenerate“,
„Battle For Utopia“ und dann die etwas langsameren „Expiration Date“ und „Enhanced
Reality“. Aber mir macht das gesamte Album Spaß. Seit es draußen ist, hat es
sich bei mir auf meinen Zugfahrten zum Longplayer entwickelt. Jedenfalls hätte
ich nicht gedacht, dass es mir so viel Freude machen würde.
Blicke ich also auf 2015 zurück, so gab es neben ein paar
Enttäuschungen dann doch viele positive Überraschungen: Therapy?, Collapse.Rebuild und
Fear Factory. Und das Schöne: Therapy? kommen im Januar nach Wien. Das Jahr
kann also gut beginnen.
In dem Sinne wünsche ich den Leserinnen und Lesern meines
Blogs einen guten Jahresausklang und einen sehr guten Start ins Jahr 2016.
Update: 31.12.2015, ein paar kleine sprachliche Modifikationen.