Sonntag, 6. August 2017

Aufarbeitung der Nachwendezeit?

In der FAZ ist gerade ein sehr interessanter Beitrag zur Nachwendezeit publiziert worden: "Vom Ende der Sprachlosigkeit". Ich will dazu nicht übermäßig viel schreiben, weil der Text insgesamt doch recht lesenswert ist - insbesondere für jene, die nicht im Osten groß geworden sind.

Kommentare:

Polly hat gesagt…


Hallo Arbo, vielen Dank, dass Du diesen Artikel verlinkt hast ( bei mir hat der Link übrigens nicht funktioniert, hatte den Artikel heute aber auch entdeckt ).
"Sprachlosigkeit" trifft es ganz gut. "Schizoid" trifft es noch besser. Ich war bei der Wende 20 Jahre alt und habe seitdem eine Schere im Kopf. Zu oft habe ich schon die Ostalgiekeule auf den Nischel bekommen.
Damals war ich nicht überrascht, dass sich die Betriebe und Genossenschaften aufgelöst haben, es war einfach eine logische Konsequenz.
Zu diesem Thema habe ich 2 Links:

http://ddr-design.info/3-2-wegwerfgesellschaft/

http://www.art-magazin.de/architektur/design/7037-rtkl-ddr-design-guenter-hoehne-kein-warenumschlag-auf-krawall

Also die Pendelleuchte P 605 muss sich nicht hinter einer Louis Poulsen Lampe verstecken, oder ?
Aber es ist halt DDR Schrott. ;)

Liebe Grüße Polly

Arbo hat gesagt…

Hey Polly,

ich war da jünger. ;-)

Den Artikel finde ich deshalb interessant, weil da noch einmal an verschiedenen Stellen deutlich wird, dass gar nicht gewollt war, eigene Erfahrungen zu sammeln. Ich meine, es hätte ja gut sein können, dass da viel vor die Wand gefahren wäre, wenn die Belegschaften das Heft übernommen hätten - war ja schließlich Volkseigentum. Aber ein Teil hätte es sicher auch schaffen können.

Die Sache hat ja noch eine andere Seite. Heute bin ich in der ZEIT über einen Artikel gestolpert, in dem es ums Erben ging. Dort hieß es: "In der DDR verhinderte eine sozialistische Diktatur, dass sich die Bevölkerung ein Vermögen aufbauen konnte."

Sarkastisch müsste ich mit Blick auf den oben verlinkten Artikel dann weiterführen: Und in der Nachwendezeit verhinderte das der Westen...

Das Schlimme ist ja, dass diese Fehler auch z.B. in Griechenland gemacht werden.

LG
Arbo

Polly hat gesagt…


Hallo Arbo, nach 3 Berufsausbildungen habe ich es aufgegeben, irgendetwas anzuhäufen :). Man kann natürlich auch sagen: falsche Berufswahl, Pech gehabt. Aber das ist kein Thema mehr, weil es einfach nicht mehr funktioniert. Mich treibt eher die Frage um, wie wir die Abhängigkeit von Geld verringern können. Das Problem ist doch, dass wir nicht die Möglichkeit haben, uns durch Eigentum von hohen laufenden Unterhaltskosten zu befreien. Man muss doch teilweise 6-8 Monate nur für Fixkosten arbeiten gehen.
Das es auch anders geht, zeigt ein Projekt in Chile.
"...Das Quinta Monroy Projekt wurde im Jahr 2003 von Alejandro Aravena initiiert, um zu beweisen, dass Architektinnen und Architekten in der Lage sind, sich im Rahmen stark beschränkter Möglichkeiten einer echten Herausforderung zu stellen. Das Programm, in dessen Rahmen das Projekt entwickelt werden sollte, war Teil einer staatlichen Initiative zur Unterstützung mittelloser Familien und hatte die Errichtung einfacher, aber ausbaufähiger Eigenheime für Menschen mit sehr geringem Einkommen zum Ziel. Die Regierung stellte einen Betrag von 7.200,– US-Dollar pro Wohneinheit zur Verfügung, um der armen Bevölkerung die Erlangung von Wohlstand möglich zu machen.
Die Regierung stockte mittlerweile ihre für neue Wohnbauprogramme vorgesehenen Ressourcen nochmals um ungefähr 75 Prozent auf. Der Betrag, den die einzelnen Familien zu Beginn an privaten Ersparnissen aufbringen mussten, belief sich auf jeweils 300,– US-Dollar..."
Leider finde ich den Artikel nicht mehr. Hatte mir den Text kopiert, aber nicht die Quelle. Die Idee finde ich jedenfalls sehr interessant.
In Deutschland kann ich keinerlei Ansätze für solche Maßnahmen erkennen. Der Grund könnte sein, dass die Menschen einfach nicht mehr erpressbar wären und ein Stück unabhängiger.

Liebe Grüße Polly