Montag, 5. Januar 2009

Kleine Urlaubsimpressionen: Sächsische Schweiz

Mensch mag es kaum für möglich halten, aber neben Dresdner Weihnachtsstollen und Leipziger Allerlei gibt es in Sachsen auch noch andere Dinge: z.B. die Schweiz.

Die "sächsische Schweiz", um genau zu sein. Just dort war ich nun in der letzten Woche und, was soll ich sagen, trotz des augebliebenen Schnees war es dennoch schön - or allem schön kalt. Nachfolgend nun ein paar kleine Impressionen.

Festung Königstein.


Sonnenspiel im Wald.


Sächsische Schweiz.


Bastei mit Blick auf Tafelberg(e).


Nein, das ist nicht Moria, sondern auch die Bastei.


Bei den Herkules-Säulen.


Herkules-Säulen und Sonne.


Farn on the Rocks.


Sonne und Eis.


Nun ja, insgesamt waren es ein paar wirklich schöne Tage!

Sonntag, 4. Januar 2009

Arbo's Worte zum neuen Jahr

Einige Zeitungen berichteten dieser Tage von einem Frust der Deutschen über die Ergebnisse der Wiedervereinigung: So z.B.
Anlass dafür gab eine von der Berliner Zeitung (BZ) in Auftrag gegebene Studie bei Forsa. Die Ergebnisse wertet die BZ in ihrem Artikel “Deutsche enttäuscht von Vereinigung“ (Berliner Zeitung) wie folgt:

Die Deutschen ziehen im zwanzigsten Jahr des Mauerfalls eine ernüchternde Bilanz der Wiedervereinigung. In einer repräsentativen Forsa-Umfrage zum Stand der Einheit, die die Berliner Zeitung zum Beginn des Gedenkjahres in Auftrag gegeben hat, zeigten sich viele Befragte in Ost und West enttäuscht von dem, was sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten getan hat.

[...]

Die schlechte Bilanz der Wiedervereinigung hat auch Auswirkungen auf die Haltung der Deutschen zum gesellschaftlichen und politischen System. Im Osten sagen zwei Drittel der Befragten in „unserer Gesellschaft geht es im Großen und Ganzen“ nicht gerecht zu. Derselben Meinung sind im Westen 59 Prozent. Diese kritische Haltung zieht sich durch alle Alters- und Berufsgruppen. Nur die Selbstständigen im Westen und die Grünen halten die Gesellschaftsordnung für gerecht.

[...]

Trotzdem ist die schlechte Bewertung des politischen Systems – weit mehr als 60 Prozent in Ost und West glauben, dass die Korruption seit 1989 zugenommen hat – ein Alarmzeichen, sagt Manfred Güllner. Das sei ein Beleg für eine große Entfremdung zwischen den Bürgern und den politischen Akteuren.


In gewisser Weise muss mensch jetzt erstmal froh sein, dass hier nicht das übliche Ost-West-Gekloppe beflügelt wird. Denn für gewöhnlich gingen solche Umfragen in der Vergangenheit mit der Unterstellung einher, „die Ostdeutschen“ wollten die Demokratie nicht mehr. In diesem Zusammenhang möchte ich dann doch noch einmal den oben zitierten letzten Satz aus der BZ in den Raum werfen: „Das sei ein Beleg für eine große Entfremdung zwischen den Bürgern und den politischen Akteuren“.

Wenn dem so ist, darf eine kritische Haltung zum „aktuellen System“ nicht verwundern.

Aber wen wundert das? Schaut mensch sich alte Berichte der Aktuellen Kamera (DDR-Fernsehen) an, so wirken sie heute aus meiner Sicht fast ähnlich nichts-sagend wie jene Beiträge in den Tagesthemen und dem Heute-Journal – beides Nachrichtensendungen, die in Deutschland für Qualitätsnachrichten stehen. Jedenfalls beschlich mich dieses (!) Gefühl in den letzten Wochen, wenn ich z.B. die Berichte über die „Finanzkrise“ sah, darüber, welcher Wirtschaftsverband, welches Unternehmen, welche Branche wieder mal etwas beklagt usw. Wie gesagt: Irgendwie „nichts sagend“ und bisweilen hat's m.E. recht wenig mit den Lebenrealitäten der Menschen gemein. Eher hat es schon etwas arg Zynisches, wenn über Banker der Wallstreet berichtet wird, die jetzt ihre teuren 500$ Schuhe beim Schuster reparieren lassen müssen, anstatt sich einfach ein paar neue Schuhe zu kaufen. Meine Güte, wie arm diese Menschen dran sind ...

Dazu dann noch diese gestelzten und nichts sagenden Pressekonferenzen und Ansprachen „unserer“ Elite. Schau ich mir an, was unsere Kanzlerin und unser Bundest-Horst so von sich geben, fehlt nur noch ein: „Ich liebe Euch doch alle!“. DDR light!

Gerade die „Finanzkrise“ wirkt zudem auch wie ein Brennglas auf die Schwächen unserer Medien. Leute, die dort z.B. schreiben und im Rückblick fast eine 180° Wendung hinlegten, wurden zu Wende-Zeiten als „Wendehälse“ bezeichnet. Das waren Leute, die schnell das Parteibuch wechselten – von der SED zur CDU. Dank der eigenen „geschmeidigen Formulierungen“ haben die sich entsprechenden Schreiberlinge faktisch „immunisiert“ gegen Vorwürfe, die mensch ihnen heute machen könnte. Gewettert haben aber viele von denen gegen jene „Mahner“, die schon früher „Globalisierung“ kritisierten. „Globalisierungskritiker“ war und ist bisweilen noch ein Schimpfwort, obwohl sich z.B. ATTAC m.E. nie wirklich gegen Globalisierung ausgesprochen hat, sondern gegen ganz bestimmte Entwicklungen. Klar, wer darauf eingegangen wäre, hätte sich dann natürlich als Interessenvertreter geoutet. Aber ähnlich diffamierend wie das Etikett „Globalisierungskritiker“ verteilt wurde, war mensch auch im Umgang mit solchen Prädikaten wie „links“ oder „sozial“. Alles galt irgendwie „synonym“ und zwar „synonym“ für: Rückständig!

So kann ich mich noch gut daran erinnern, dass der Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel mal in einer Christiansen-Runde eingeladen und dort im TV der Untertitel „linker Ökonom“ zu lesen war. Offenbar reicht es also aus, keynesianische Ideen zu vertreten, um als „links“ zu gelten. Jetzt ist auch klar, weshalb viele ein Problem mit Oskar Lafontain haben, der im Grunde auch viel Keynes intus zu haben scheint. Kaum jemand merkt, wie sich hier die inhaltlichen Grenzen verschoben. Was heute als „links“ gilt, ist im Grunde ganz solides „sozialdemokratisches“ Programm. Damit hier keine Missverständnise auftreten: Ich will hier nicht „der Linken“ das Wasser reden. Ich will nur darauf aufmerksam machen, dass gerade auch die Medien einen wesentlichen Beitrag zur „Homogenisierung“ – Gleichschaltung – der Meinungen geleistet haben. Denn egal ob in der CDU oder in der SPD, dort werden und wurden Leute, die sich dem sozialstaatlichen Ziel unseres Grundgesetzes verpflichtet fühlen als „links“ diffamiert.

Dass es natürlich immer auch diese Leute geben durfte, auch im wissenschaftlichen Bereich „Mahner“ ihre Stimme erheben konnten, wird heute gerne als „Vorteil“ und Unterschied zum DDR-System erhoben. Sicher gibt es heute mehr Freiheiten. Aber das darf nicht darüber hinweg täuschen, dass jene Personen, um die es hier geht, meist nur die Funktion eines Feigenblättchens besitzen: Alibi für die ganzen politischen Schweinereien der letzten Jahre (angefangen bei Hartz IV über diese gesamten Stasi-2.0-Gesetze), in der Gewisseheit, nicht so schlecht zu sein wie ein „Unrechtsstaat“.

Dabei gibt es aber durchaus ernst zu nehmende Phänomene, die jedem halbwegs gebildeten Bürger ins Auge „springen“. Wer glaubt denn ernsthaft an Neutralität und an den zum „eigenen Gewissen verpflichteten“ Abgeordneten, wenn ein Wirtschaftsminister wie Clements an der Deregulierung des Arbeitsmarktes mitwirkt und dann in einer Zeitarbeitsfirma tätig ist? Von seinem Engagement in der Energiebranche ganz schweigen. Oder wie sieht's mit der Chose um Frau Ypsilanti aus? Mensch mag sie kritisieren und muss sie auch nicht so toll finden, um sie zu wählen. Aber jedem mit halbwegs Grips unter der Hirnplatte muss aufgefallen sein, dass eine Medienkampagne gegen diese Politikerin gefahren wurde. Dazu reicht nur ein Blick auf das letzte Beckmann-“Interview“ mit ihr. Ein Musterbeispiel für mediales Nachtreten! Dass Frau Metzger, die von Anfang an als Querschlägerin für einen rot-gründen Duldungsversuch durch „links“ galt, möglicherweise mit der Energiebranche verquickt ist (Aufsichtsratsmitglied der HEAG Südhessische Energie AG) und von eventuellen „Umweltplänen“ Ypsilantis negativ betroffen gewesen wäre, ging ebenso unter. Uhh, ohh … Verschwörungstheorie: Lieber einen Bogen darum machen! Und wie sieht's mit unseren ach so gern konsultierten Wissenschaftlern aus? Herr Rürup, immerhin Wirtschaftsweiser, ließ sich mit Walter Riester und dem Chef des Finanzdienstleisters AWD Hände schüttelnd – ich glaube in der Bunten (hier und hier) – ablichten. Dass er dann die Privatvorsorge predigt, besitzt dann schon einen ziemlich schalen Beigeschmack! Erst recht, wenn mensch bedenkt, dass der Herr Rürup demnächst bei AWD seine eigenen Rentenbrötchen backen wird.

Dieses Rad ließe sich noch endlos weiter drehen. Wenn also Herr Güllner von Forsa feststellt, dass sich die Eliten von der „Bevölkerung“ entfernt haben, so ist ihm beizupflichten. Es gibt jedoch eine Reihe von Beispielen dafür, die so offensichtlich sind, dass es keiner ach so tollen Statistik bedurft hätte! Obwohl gerade das die Abgehobenheit der Eliten zeigt: Mit Herrn Güllner scheint unsere ganze „Elite“ wohl erst an Phänomene zu glauben, die sie zahlenmäßig einfangen kann. Für „gesunde Menschenverstand“ ist da offenbar kein Platz.

Ein gesundes neues Jahr!

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Arbo muggt

Also, ich mach' es jetzt mal „offiziell“: Ich bin wieder musikmäßig unterwegs. Näheres: siehe Shiqadi. Ein nächster GIG steht auch an, am 16.01.2009.

Frühauf, 16.01.2009.


Reinschauen und ROCKEN!!!

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Verdummung pur mit Hartz IV

Gestern, am 10.12.2008, gab es eine „Phoenix-Runde“ zum Thema „Ist Hartz IV gescheitert? - Eine Reform und ihre Folgen“ (Video hierüber). Zu Gast: ein ehemaliges Mitglied der Hartz-Kommission, eine Vertreterin der Bundesagentur für Arbeit, ein Vertreter vom Sozialgericht Berlin sowie ein Autor vom Stern. Letzterer spielte einen etwas kritischen Gegenpart, der hauptsächlich drauf abhob, dass Hartz IV als „ungerecht“ empfunden wird; dass dieses Gesetz vom gesellschaftlichen Leben ausschließt und daher auch der Regelsatz sicher zu niedrig ist.

Dagegen schürten das ehemalige Mitglied der Hartz-IV-Kommission und die Tante von der Bundesagentur wieder unterschwellig gewisse soziale Wert(vor)urteile: Immer wieder sprachen sie nämlich von „Aktivierung“ und wie gut die „Aktivierung“ jetzt wirke; die Menschen sollen sich nicht „einrichten“ können. Toll! Unter dem Strich also wieder das Lied vom arbeitsunwilligen Müßiggänger, dem mensch nur kräftig genug in den Hintern treten muss!

Die Agentur-Tante brachte auch so tolle Zahlenbeispiele für die super Wirkung von Hartz IV, die sie „Fakten“ nannte und der „gefühlten Ungerechtigkeit“ entgegensetzte. Dass ein Teil arbeitender Menschen ergänzende Hilfe erhält und diese Zahl zunimmt (Stichwort: Aufstocker), das klang nur nebenher an. Darin verborgen ist ein Widerspruch: Einmal wird behauptet, dass die Leute aktiviert werden müssen und „sozial ist, was Arbeit schafft“, also Hauptsache „Arbeit“; andererseits nimmt aber die Zahl der AufstockerInnen zu, also Menschen, die arbeiten und wegen ihres niedrigen Lohnes staatliche Transferleistungen beziehen müssen!

Besonders unredlich ist es deshalb, Hartz IV einseitig auf „Arbeitslosigkeit“ zu reduzieren, obwohl es nicht mehr um Arbeitslosigkeit geht, sondern um Bedürftigkeit!

Dreist ist es auch, wenn behauptet wird, es würde überall aufgerufen, gegen die ARGEn zu klagen, und dabei der Unterton mitschwingt, dass es sich meist nicht um notwendige Klagen handle. Mehr oder minder drängt sich da einem wieder das Bild eines raffgierigen Sozialschmarotzers auf, der nichts tut und mit allen Mitteln versucht, Leistungen zu bekommen. - zur Not halt den Staat ausnutzt, indem er klagt. So hat das natürlich niemand gesagt; erst Recht niemand von der Bundesagentur. Aber jedermensch, der ein wenig zwischen den Zeilen lesen kann, weiß, wie die so gefärbten Phrasen gemeint und an wen sie adressiert sind!

Es ist der Sendung zwar hoch anzurechnen, dass dieses Mal nicht so viel politische Kasper dort herumlungerten. Um so ernüchternder ist es, dass die Sendung in der Summe leider wieder ziemlich in die Irre führte und erneut die Plattform für das Verbreiten gewisser Ressentiments gegenüber sozial Schwachen lieferte. Damit zeigt sich insbesondere, dass diese menscheindliche Einstellung egenüber Bedürftigen nicht nur in der Politik, sondern ebenfalls in den ARGEn verbreitet ist. Insofern muss die hohe Flut an Klagen gegen die ARGEn nicht verwundern.

Montag, 8. Dezember 2008

Quasseln am Sonntag: Mal wieder Hetze und Verklärung sozial Schwacher

Gestern - am 07.12.2008, dem zweiten Advent - lud Anne Will mal wieder zum sonntäglichen Reigen am emotionalen Urinal der Nation. Zu Gast u.a. Marion Drögsler, Vorsitzende des Arbeitslosenverbandes Deutschland und nebenher auch Mitglieder bei der LINKEn; der DM-Chef Götz Werner; dann noch eine Nebelschlussleuchte von der FDP; der Hartz-iV-Koch Sarrazin und der Mißfelder von der „C“DU.

Wieder einmal wurde das übliche Phrasenkarussell gedreht. Zum Beispiel gab es auf die Frage, ob die Anrechnung des Kindergeldes auf Hartz iV nicht ein Skandal ist, der zu beseitigen wäre keine wirkliche Antworten. Nur Ausflüchte. Konkret angesprochen, gab der „C“DU-Typ Mißfelder an, dass die „C“DU doch schon viel für Hartz-iV getan hätte, z.B. mit der letzten Anhebung (um 4 Euro). Zum Glück war ja der Götz Werner mit seiner Idee des bedingungslosen Grundeinkommens zugegen. Da ließ es sich schnell umschwenken: Unbeeindruckt von der Frage nach der Beseitung des Kindergeldskandales fing Mißfelder einfach an, dieses Grundeinkommen zu kritisieren.

Gut, das gehörte zum Phrasenkarussell. Das wirklich Störende lag in etwas Anderem begründet. Dieser Dummspacken von der „C“DU meinte nämlich sinngemäß, dass über eine Erhöhung von Hartz iV nicht nachzudenken wäre, mensch hätte ja erstmal genug getan – jetz müsse die Politik was für die Arbeitenden tun.

Wie bitte? Hallo? Schon mal was von Aufstockern gehört? Das sind Leute, die trotz Arbeit Hartz iV beziehen! Und war da nicht in der letzten Woche von steigenden Zahlen die Rede? Mal abgesehen von diesem Fakt hätte dem „C“DUler auch bekannt sein müssen, dass es mit den Gesetzen zu Hartz iV nicht mehr um Arbeitslosigkeit geht, sondern dass hier die Bedürftigkeit im Zentrum steht! So viel Fachwissen hätte mensch dem eigentlich zutrauen müssen. Aber damit war die gesamte Runde offenbar nicht wirklich gesegnet. Insbesondere die Herren Politiker gaben dazu keine aufklärenden Worte. Inkompetenz und Verlogenheit! Denn statt einer Antwort oder einer Kritik gab es wieder das Lied: Wir müssen jetzt mal was für die Arbeitenden was tun. Dass dieser Mißfelder damit wieder negativ besetzte Stereotypen verwendet, damit bestimmte Gruppen diskriminiert (Stichwort: gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit), das war von ihm eigentlich zu erwarten. Dass aber niemand Widerspruch einlegte, das Ganze im „munteren“ Reigen unterging, das ist eigentlich ein Skandal. Offenbar störte sich niemand daran, dass unter der Oberfläche, praktisch mit dem Florett, aber für alle sichtbar und ungeniert gegen sozial Schwache gehetzt wurde.

Es ist äußerst bedenklich, dass diesen Menschenfeindlichkeiten ein öffentlich-rechtliches Forum geboten wird.